Warum der IVD Berlin-Brandenburg jetzt eigene Marktdaten für Sachverständige herausgibt
Von Nils Werner, Geschäftsführer IVD Berlin-Brandenburg e.V.
Wer eine Immobilie bewertet, braucht verlässliche Daten. Das klingt banal – ist es in der Praxis aber oft nicht. Denn nicht für alle Bewertungsfragen gibt es gesicherte, aktuelle Grundlagen aus öffentlichen Quellen. Genau diese Lücke wollten wir als Berufsverband schließen. Herausgekommen ist der neue Marktdatenbericht zum Wohnimmobilienpreisservice 2025/2026 – eine Begleitpublikation, die sich gezielt an Sachverständige, Gutachter und alle richtet, die professionell mit Immobilienwerten arbeiten.
Was bisher fehlte
Der erste Anlaufpunkt für Bewertungsparameter ist üblicherweise der regionale Gutachterausschuss. Aber: Nicht alle Daten, die man für eine fundierte Wertermittlung braucht, sind dort verfügbar oder veröffentlicht. Das betrifft Bereiche, die in der Praxis regelmäßig gefragt sind: Wie verzinst sich eine vermietete Eigentumswohnung am Berliner Markt tatsächlich? Was ist eine marktübliche Miete für ein freistehendes Einfamilienhaus? Wie hoch sind Kauf- und Mietpreise für Stellplätze und Garagen?
Diese und andere Fragen ließen sich bislang nur mit großem Rechercheaufwand oder gar nicht belastbar beantworten. Das soll sich mit unserem neuen Marktdatenbericht ändern.
Daten aus der Praxis – für die Praxis
Die Grundlage des Berichts sind reale Kaufpreise aus dem Netzwerk unserer Mitgliedsunternehmen, ergänzt um öffentliche Quellen. Ausgewertet und eingeordnet hat die Daten unser Projektleiter Marktberichterstattung Andreas Habath und der IVD-Wertermittlungsausschuss – fünf Berliner Sachverständige, die den Markt aus ihrer täglichen Arbeit kennen.
Das Ergebnis sind Orientierungswerte, die methodisch sauber abgeleitet, regional nach Berliner Bezirksgruppen differenziert und transparent dokumentiert sind.
Was der Bericht konkret bietet
Das Kernstück sind Liegenschaftszinssätze für Eigentumswohnungen – getrennt nach bezugsfreien und vermieteten Objekten sowie nach Stadtlage. Die Unterschiede zwischen den Berliner Lagen sind erheblich, was die Bedeutung einer differenzierten Betrachtung unterstreicht.
Dazu kommen aktualisierte Erfahrungswerte für Modernisierungs- und Instandsetzungskosten. Die Baukosten haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert – wer noch mit Kennwerten aus 2010 arbeitet, liegt schnell weit daneben. Der Bericht bildet den aktuellen Stand ab und zeigt, was eine Sanierung je nach Ausgangszustand heute realistisch kostet.
Für Ein- und Zweifamilienhäuser enthält der Bericht außerdem eine Mietpreisübersicht – gegliedert nach Wohnlage und Baujahr. Da es für diesen Objekttyp in Berlin keinen Mietspiegel gibt, war das bislang eine echte weiße Fläche auf der Datenkarte. Ergänzt wird das Ganze durch Preisübersichten für Stellplätze und Garagen sowie eine Checkliste zu den aktuellen Nachrüstpflichten nach dem Gebäudeenergiegesetz.
Mehr Transparenz für den Berliner Markt
Ich bin davon überzeugt, dass gute Bewertungsarbeit gute Datengrundlagen braucht. Wenn wir als Verband dazu beitragen können, dass Immobilienbewertungen in Berlin auf einer solideren, nachvollziehbareren Basis stehen, ist das ein echter Mehrwert – für unsere Mitglieder, für ihre Auftraggeber und letztlich für den gesamten Markt.
Wir freuen uns, dass wir diesen Schritt gehen konnten. Und wir sind gespannt auf das Feedback aus der Praxis – denn dieser Bericht soll kein einmaliges Projekt sein, sondern eine Grundlage, die wir regelmäßig weiterentwickeln werden.
